8,49 EUR für ein Kälbchen

8,49 €. An diesem Preis offenbart sich das ganze Elend unserer Lebensmittel- und Fleischproduktion. Der Begriff Produktion im Zusammenhang mit Fleisch ist schon eine Verschleierung. Ein Tier ist ein Geschöpf und hat eine eigene Würde. Wird es produziert? Nein, es wird geboren. Und ist die Mutterkuh noch so unnatürlich gehalten, immer angebunden, künstlich besamt, sie wird doch rufen nach ihrem neugeborenen Kälbchen, wenn es ihr kurz nach der Geburt genommen wird. Niemand, der es jemals gehört hat, bleibt ungerührt. Und doch: marktwirtschaftlich betrachtet sind es nur 50 Kilo Lebendmasse. 50 Kilo Leben bei der Geburt. 50 Kilo für 8,49 €.

Wenn ein Kälbchen nur noch diesen Preis einbringt, dann stimmt offensichtlich etwas nicht. Ein Kalb, das niemand mehr haben will. Weil der „Markt“ überschwemmt ist, wegen der Blauzungenkrankheit, und weil die Tiere nicht mehr so lang transportiert werden dürfen, und die Kapazitäten in den durchrationalisierten Schlachthöfen nicht ausreichen. Aber vor allem, weil die Milchproduktion immer neue Trächtigkeiten bei Kühen benötigt, damit sie wieder Milch geben können. Diese Milch wird dann ihren Kälbchen vorenthalten. Und diese Kälber könnten ja auch gar nicht alle aufgezogen werden. Die Ställe fehlen, die Bäuerinnen und Bauern fehlen, die sie versorgen und auf die Weide treiben könnten, die Weiden fehlen, und auch die Metzger fehlen, weil keiner mehr so arbeiten will, im Akkord, und immer am Rande des Ruins.

Und: Wir zahlen zwar 20 € pro Kilo Kalbfleisch, weil immer nur die besten Stücke verwendet werden. Aber eigentlich zahlen wir mehr. Wir zahlen mit unserer Seele. Denn was wir unseren Mitgeschöpfen antun, das tun wir uns selbst an.

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