Kerstin Täubner-Benicke

Kerstin Täubner-Benicke (Foto: Max Laufer)

Die Bedeutung von Sprache für unsere Demokratie und unser Miteinander

Die Töne werden nicht nur in den sogenannten sozialen Medien immer lauter und die Begriffe rauer: „Asyltourismus“, „Überfremdung“, „links-grün versiffte Gutmenschen“… Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Die Konfrontationen werden härter, die Erregung schwillt an.

Was ist der Unterschied zwischen notwendigem Ringen um Sachthemen und einer Sprache, die Andersdenkende oder auch Minderheiten herabsetzt und niedermacht? Was macht es mit unserer Demokratie, wenn sich Menschen aus den Debatten zurückziehen, weil Beschimpfungen oder sogar Bedrohungen überhandnehmen?

Auch in Starnberg verzeichnen wir eine „Zuspitzung“ des Sprachgebrauchs in politischen Gremien. So wie in der Oktober-Stadtratssitzung in Starnberg, die so würdig mit einem Gedenken an die Opfer der rechtsextremistisch und antisemitisch motivierten Taten in Halle begann, und sich nach der Entscheidung zum Bürgerbegehren in das genaue Gegenteil wandelte.

Der Forderung einer Stadträtin nach einer Entschuldigung durch einen anderen Stadtrat wegen seiner mehrfachen Bezeichnung ihrer Person als „Judas“, wurde nicht nachgekommen. Im Gegenteil, er wiederholte diese Schmähung mehrfach.

Von diesem Tiefpunkt der Ratskultur distanzieren wir uns. Das geradezu flegelhafte Verhalten des Stadtrats ist nicht zu tolerieren, auch wenn einige StadträtInnen und die Bürgermeisterin in Nibelungentreue gegen eine Rüge gestimmt haben.

Für uns ist aber gerade auch die Verwendung des Begriffs Judas im politischen Diskurs indiskutabel. Er vereint jahrhundertelang gewachsene, antisemitische Zerrbilder und ist für uns gerade im direkten zeitlichen Zusammenhang mit den Taten in Halle unerträglich.

Daher setzen wir uns auch gemeinsam mit dem Starnberger Dialog, den Kirchen und anderen Bündnispartnern gegen Extremismus, Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung von Minderheiten ein. Dies gilt umso mehr, wenn wir sehen, wie judenfeindliche, rassistische und rechtsextreme Gesinnungen und sprachliche Entgleisungen in Taten umschlagen.

Wir appellieren daher an alle einer weiteren Verrohung mit einem klaren Bekenntnis für Demokratie entgegen zu treten. Und wir verpflichten uns auch selbst, aufzupassen auf unsere Sprache.

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